Warum es sich lohnt, sein Geld in Aichach zu lassen

Mittwoch, 23.11.2016

Heitersheim: Traditionshaus Zähringer schließt nach 172 Jahren

Vor einigen Tagen wurde der Kartonagenberg vor dem Rathaus wieder entfernt, mit dem wir auf irrwitzige Zahlen der Luftbelastung im Zusammenhang mit zurückgesendeter Ware und der daraus entstehenden Klimabelastung hinweisen wollten. Wenn wir zur Diskussion und Nachdenken zu diesem Thema angeregt haben, so freut uns das. Dennoch sind auch Stimmen laut geworden, deren Überzeugung lautet, „ Der Preis wird doch immer wichtiger und letztendlich ausschlagend sein. Da sind Umwelteinflüsse doch viel zu abstrakt. Niemand wird seine Kaufentscheidung danach ausrichten!“

Deshalb möchten wir diese Aussagen aufgreifen, um hier einige Zusammenhänge aufzuzeigen, die sehr viel näher liegen. Die damit zu tun haben, ob unsere Innenstadt auch in 10 Jahren noch so lebenswert sein wird? Oder mit der Frage, ob wir die Infrastruktur unserer Stadt, die wir so selbstverständlich nutzen, dann überhaupt noch finanzieren können?

Der Siegeszug des Online-Handels geht weiter – das Ladensterben auch

Der Internethandel in Deutschland boomt, viele Innenstädte dagegen leeren sich. Studien sehen bis 2025 eine Steigerung beim Marktanteil des Online-Shopping auf bis zu 25 Prozent voraus. "Prognosen, wonach bis 2020 rund 50.000 Geschäften das Aus droht, sind nicht übertrieben. Das wird eher die Untergrenze sein", warnt der Handelsexperte Gerrit Heinemann (Hochschule Niederrhein) in einem Gespräch mit der dpa. Die Konsequenzen für die Innenstädte heißen Identitätsverlust, Minderung der Lebensqualität und nachlassende Wirtschaftskraft. Nicht zuletzt aber auch Verlust von Arbeits- und Ausbildungsplätzen.

Leerstandsquoten von 40 Prozent für Klein- und Mittelstädte immer häufiger

"Das eigentliche Drama aber wird sich in den Klein- und Mittelstädten abspielen." Heute entfallen auf sie noch knapp 50 Prozent der Einzelhandelsumsätze. Doch wenn nichts geschehe, werde der Erfolg des Online-Handels hier zu existenzbedrohenden Umsatzrückgängen führen, ist Heinemann überzeugt.
Ähnlich sieht Boris Hedde vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) die Lage. "Der stationäre Handel wird bis 2020 wahrscheinlich 20 bis 40 Milliarden Euro an Umsatz an die Online-Konkurrenz verlieren", prognostiziert der Experte. "Ein harter Verdrängungswettbewerb.“

Aichach glänzt mit guter Handelsstruktur – wo ist das Problem?

Unser Bürgermeister sieht in der aktuellen Bürgerversammlung den Einzelhandel gut aufgestellt. Und tatsächlich sind noch wenig Leerstände vorhanden und Aichach kann mit ausreichender Sortimentsvielfalt punkten. Eine Stadtentwicklung muss jedoch immer eine Langfristperspektive haben. Und die heute gute Einnahmesituation, sollte nicht nur auf diesem Niveau bleiben, sondern für die großen Zukunftsaufgaben wäre sogar eine Steigerung wünschenswert.

Der Online-Handel in Deutschland glänzt nach aktuellen Zahlen des E-Commerce-Verbandes bevh weiterhin mit zweistelligen Wachstumsraten. Reine Onlinehändler wie amazon und zalando schaffen sogar Zuwachsraten von 30%. Natürlich stellt sich der stationäre Handel dieser und anderen Herausforderungen und versucht weiterhin an seinen Stärken zu arbeiten. Es ist allerdings ein wenig wie das Rennen von ʺWindhunden gegen Kampfelefanten": Man sollte schon schauen, immer ein wenig schneller und wendiger zu sein, um nicht auf der Strecke zertrampelt zu werden!

Wo sind die Steuereinnahmen der Internet-Giganten?

Unternehmen wie zalando zahlen keine Gewerbesteuern, weil ihr Geschäftsmodell nach wie vor auf die Steigerung der Marktanteile statt auf Gewinnerzielung ausgerichtet ist. Und auch wenn amazon jetzt angekündigt hat, Gewinne statt in Ländern mit Niedrigstsätzen nun auch in Deutschland zu versteuern - erwirtschaftet Amazon hier Gewinne? Selbst wenn dieser natürlich auf die Gewinnmaximierung seiner Aktionäre angelegte Konzern jemals in unserem Land Steuern in nennenswerter Höhe zahlen würde, wieviel davon kommt hier in unserer Gemeinde an?

Auch an der Einkommenssteuer der Einwohner und Umsatzsteuer von hier ansässigen Firmen ist die Kommune durch Umlageschlüssel beteiligt. Wäre es nicht wünschenswert, wenn durch gute Geschäfte auf breiter Basis nicht nur die Unternehmer dieser Region, sondern auch ihre Mitarbeiter über ein gutes Einkommen verfügen? Wäre es nicht gut, wenn sich unser Geld in der Region mehrt?

Niemand erwartet, dass ganz Aichach zur internetfreien Zone wird. Im Gegenteil - auch in der Digitalisierung des Handels liegt eine Chance. Warum nicht nur der Handelsverband Deutschland (HDE) eine Möglichkeit für kleine und mittelständische Händler in der Nutzung von lokalen Online-Plattformen sieht, sondern auch die Stadt Aichach gemeinsam mit Schrobenhausen und der Universität Augsburg untersucht, ob und wie diese sinnvoll umzusetzen wäre, erfahren sie demnächst hier.

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